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Die zehn E-Commerce-Trends 2026

Das Wichtigste in Kürze
  • KI-Assistenten übernehmen Recherche und Vergleich. Gekauft wird bisher meist auf der Website des Händlers: OpenAI verabschiedet sich vom eigenständigen Checkout in ChatGPT.
  • Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf Sendungen bis 150 Euro aus Drittstaaten einen pauschalen Zoll von 3 Euro je Warenart. Der Preisvorteil von Plattformen wie Temu und Shein schrumpft.
  • Ab dem 20. November 2026 gelten in der EU neue Verbraucherkreditregeln, die auch viele Angebote zum späteren Bezahlen erfassen.
  • Die gemeinsame Aufgabe hinter fast allen Trends: saubere, vollständige Produkt- und Kundendaten.

Der Onlinehandel steht vor zwei großen Veränderungen. Künstliche Intelligenz chattet nicht mehr nur, sie übernimmt Aufgaben im Einkauf. Und die Zollbefreiung für günstige Pakete aus Drittstaaten ist gefallen. Das trifft Plattformen wie Temu und Shein und stärkt Händler, die mit Service und Qualität überzeugen.

Gleichzeitig achten Kunden so genau auf den Preis wie lange nicht, erwarten aber Qualität und verlässlichen Service. Händler müssen sich entscheiden: konsequent effizient und günstig oder mit klarem Mehr an Beratung und Service. In der Mitte wird es eng. Die folgenden zehn Trends zeigen, wo sich der Markt 2026 bewegt und wo Ihre Marge entsteht.

Trend 1: KI-Agenten übernehmen Recherche und Vergleich

Ein Assistent sucht, filtert und vergleicht

Bis vor Kurzem haben wir KI genutzt, um Texte oder Bilder zu erstellen. Jetzt beginnt sie, für uns zu handeln. Dafür steht der Begriff Agentic Commerce: Ein KI-Assistent übernimmt die Suche, vergleicht Preise und schlägt die passendsten Angebote vor.

Der Kauf selbst bleibt vorerst beim Händler. OpenAI hat sich vom eigenständigen Checkout in ChatGPT verabschiedet: Nutzer entdecken und vergleichen Produkte im Chat, gekauft wird auf der Website oder in der App des Händlers. Die Shopping-Funktion von ChatGPT ist bisher nur in den USA verfügbar. Wie Händler sich vorbereiten, beschreiben wir im Beitrag zur Shopping-Funktion von ChatGPT und im Agentic Commerce Playbook.

Jeder Kunde sieht seinen eigenen Shop

Onlineshops sehen nicht mehr für alle gleich aus. Nach der Anmeldung baut sich die Seite für jeden Kunden anders auf: Wer technisch interessiert ist, sieht Datenblätter, wer auf den Preis achtet, die Angebote. Sortiment und Empfehlungen passen sich laufend an. Dieser „Store of One“ ist ein Laden für genau einen Kunden.

Ohne saubere Daten arbeitet keine KI

Damit KI-Systeme gute Empfehlungen geben, brauchen sie vollständige, eindeutige Daten. In vielen Unternehmen liegen Produktinformationen aber noch in PDFs, alten Tabellen und uneinheitlichen Beschreibungen. Wer seine Daten nicht aufräumt, kann die neuen Werkzeuge nicht nutzen. Das ist die wichtigste Aufgabe dieses Jahres.

Trend 2: Geschäftskunden erwarten den Komfort von Onlineshops

Einkauf im Unternehmen soll so einfach sein wie privat

Einkäufer kennen privat den Komfort großer Onlineshops und erwarten ihn auch im Beruf. Niemand will Bestellungen faxen oder sich durch komplizierte Preislisten arbeiten. B2B-Shops müssen auf dem Smartphone gut funktionieren und so einfach sein wie ein Onlineshop für Privatkunden. Selbstbedienung bei Rechnungen und Retouren ist Pflicht. Mehr dazu im Agentic Commerce B2B Playbook.

Software übernimmt die Routinearbeit

Weil Fachkräfte fehlen, muss Software die Routine erledigen. Ein Handwerker spricht seine Bestellung ins Smartphone, etwa „50 Meter von dem Kabel von letzter Woche“, und die App erkennt das richtige Produkt. Das spart Zeit für echte Beratung.

Trend 3: Neue Zollregeln verteuern Billigsendungen aus Drittstaaten

Die Zollbefreiung für Kleinsendungen ist gefallen

Bis Ende Juni 2026 kamen Sendungen mit einem Warenwert bis 150 Euro zollfrei in die EU. Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf solche Sendungen aus Drittstaaten einen pauschalen Zoll von 3 Euro. Er fällt je Warenart an, nicht je Paket: Fünf T-Shirts kosten einmal 3 Euro, drei T-Shirts und eine Uhr 6 Euro. Die Regelung gilt übergangsweise, bis die EU das reguläre Zollverfahren für alle Sendungen umgestellt hat.

Was das für Temu, Shein und Co. bedeutet

Für Kunden steigen die Preise bei Plattformen, die bisher auf zollfreie Kleinsendungen gesetzt haben. Die großen Anbieter werden sich anpassen, für kleinere Anbieter aus Drittstaaten lohnt sich das Geschäft teils nicht mehr.

Ihre Chance liegt in Lieferzeit, Garantie und Qualität

Für Händler mit Lager und Service im eigenen Markt ist das eine gute Nachricht. Der Preisabstand zu Billigplattformen wird kleiner, und Stärken wie schnelle Lieferung, Garantie und Qualität zählen wieder mehr. Gerade in der Mode kann das Kunden zurückbringen.

Trend 4: Secondhand ist für viele Kunden normal geworden

Gebraucht kaufen ist vernünftig

Secondhand (Recommerce) ist keine Nische mehr, sondern wirtschaftlich sinnvoll. Wenn alles teurer wird, kaufen viele Markenware gebraucht. Für jüngere Kunden gehört das ohnehin zum Lebensstil.

Händler und Marken bieten selbst Gebrauchtes an

Marken überlassen das Feld nicht mehr allein den Kleinanzeigen- und Secondhand-Plattformen. Händler lassen Kunden gekaufte Produkte direkt weiterverkaufen, Modehäuser nehmen getragene Kleidung zurück und verkaufen sie als „Pre-Loved“, Möbelhändler kaufen gebrauchte Möbel zurück. Wann sich ein Rücknahmeprogramm rechnet, zeigen wir im Beitrag zum Fashion E-Commerce 2026.

Nachhaltigkeit wird dabei leiser beworben, aber konsequent umgesetzt, weil sie effizient ist und Kunden bindet.

Trend 5: Social Commerce bringt den Kauf in den Feed

Gekauft wird, ohne die App zu verlassen

Was in den USA und Asien längst verbreitet ist, fasst im deutschsprachigen Raum Fuß: Einkaufen direkt in der Social-Media-App. Produkte finden den Kunden im Video-Feed, nicht umgekehrt. Wer mit einem Klick kaufen kann, ohne die App zu verlassen, entscheidet schneller.

Echte Inhalte überzeugen

In einer Welt voller KI-Bilder suchen Menschen nach Echtheit. Erfolgreich sind Händler, die auf authentische Videos und echte Bewertungen setzen. Live-Shopping bleibt eine Nische, funktioniert aber gut für beratungsintensive Produkte wie Sportgeräte oder Kosmetik.

Trend 6: Die letzte Meile entscheidet über Kundenbindung

Lieferung am selben Tag wird zum Premium-Angebot

Lieferung am nächsten Tag ist Standard, Lieferung am selben Tag wird in Ballungsräumen zum Premium-Service. Wer sie anbietet, setzt den Wettbewerb unter Zugzwang.

Lager rücken näher an den Kunden

Weil Fahrer fehlen und Innenstädte voll sind, setzen Logistiker auf neue Lösungen:

  • Elektrische Zustellung in den Städten.
  • Autonome Lieferfahrzeuge in Pilotprojekten.
  • Dezentrale Lager: Die Ware liegt verteilt in Stadtnähe statt in einem großen Zentrallager, damit sie schneller beim Kunden ist.

Trend 7: Lokale Zahlungsarten bleiben entscheidend

Kunden bezahlen, wie sie es gewohnt sind

Der deutschsprachige Raum ist beim Bezahlen kein einheitlicher Markt. In der Schweiz ist TWINT fest etabliert, in Deutschland und Österreich bleiben Rechnungskauf und PayPal wichtig. Wer die gewohnte Zahlungsart nicht anbietet, verliert Käufe im Checkout.

Später bezahlen wird strenger geregelt

„Jetzt kaufen, später bezahlen“ ist beliebt, wird aber strenger reguliert, um Überschuldung zu vermeiden. Ab dem 20. November 2026 wenden die EU-Mitgliedstaaten die neue Verbraucherkreditrichtlinie an, die auch viele dieser Angebote erfasst. Prüfen Sie mit Ihrem Zahlungsanbieter, was sich für Ihren Checkout ändert.

Im B2B-Bereich wachsen Finanzierung und Einkauf zusammen: Ein Handwerker kann eine teure Maschine direkt im Onlineshop leasen oder versichern.

Trend 8: Marktplätze gewinnen an Gewicht

Plattformen mit Gemeinschaft schaffen Vertrauen

Erfolgreiche Plattformen sind mehr als ein Shop. Sie bieten Tests, Diskussionen und Bewertungen ihrer Kunden, und das schafft Vertrauen.

Kleine Händler schließen sich an, große bauen eigene Marktplätze

Für kleine Nischenshops wird es schwerer, allein sichtbar zu bleiben. Viele verkaufen zusätzlich über Marktplätze. Gleichzeitig bauen große Händler eigene Marktplätze für fremde Sortimente auf. Für jeden Händler stellt sich damit die Frage, welcher Kanal nach Gebühren und Werbekosten den höchsten Gewinnbeitrag liefert.

Trend 9: Das Geschäft wird zur Bühne

Erlebnis und Service statt Lagerfläche

Geschäfte in der Innenstadt sind keine reinen Warenlager mehr, sondern Showrooms und Servicestationen. Kunden kommen zur Beratung, zur Reparatur oder um Produkte anzufassen. Gekauft wird dann auch per Smartphone.

Technik im Regal

Im Laden hilft Technik: digitale Preisschilder, die sich am Onlinepreis ausrichten, und Self-Checkout per Smartphone. Die Grenze zwischen online und offline verschwimmt.

Trend 10: Eigene Daten werden zum wertvollsten Gut

Wer eigene Daten besitzt, ist unabhängiger

Einwilligungspflichten und Schutzfunktionen der Browser machen die Messung über fremde Cookies lückenhaft. Händler bauen deshalb eigene Kundendaten auf („First-Party Data“). Viele nutzen sie zusätzlich für eigene Werbenetzwerke (Retail Media) und verkaufen Marken Werbeplätze im eigenen Shop.

Datenqualität entscheidet über jede KI

Wie bei Trend 1: Wer KI nutzen will, braucht saubere Daten. Unternehmen investieren deshalb in die Pflege ihrer Produktdaten. Schlechte Daten führen zu schlechten Ergebnissen, in KI-Assistenten ebenso wie in Shopping-Kampagnen.

Fazit: Saubere Daten, kluge Automatisierung und Vertrauen tragen durch 2026

Das E-Commerce-Jahr 2026 ist komplex, bietet aber Chancen. Drei Dinge entscheiden:

  • Daten aufräumen: Bevor Sie in KI investieren, muss die Datengrundlage stimmen.
  • Gezielt automatisieren: Lassen Sie Software die Routine übernehmen, wo sie Kosten senkt und Ihre Marge verbessert.
  • Vertrauen schaffen: Zuverlässigkeit, Service und Datenschutz unterscheiden Sie von anonymen Plattformen.

Gewinnen werden die Händler, die Technik einsetzen, um Kunden das Einkaufen leichter zu machen, und die jede neue Entwicklung daran messen, was sie zum Gewinn beiträgt.

Quellen
  1. Ensuring fairness and safety: €3 customs duty for low-value parcels · Europäische Kommission, 29.06.2026
  2. Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge · Amtsblatt der Europäischen Union, 30.10.2023
  3. Die Produktsuche in ChatGPT ermöglichen · OpenAI, abgerufen 09.10.2026
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Julia Bühler · Solution Manager

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