E-Commerce
26. Januar 2026

ChatGPT nutzt Google Shopping für seine Produktempfehlungen

Neue Recherchen zeigen, dass OpenAI im Hintergrund massiv auf Googles Ökosystem zurückgreift. Für Online-Händler bedeutet das: Der Weg in die ChatGPT-Empfehlungen führt primär über Google Shopping.

Wer glaubte, dass ChatGPT völlig unabhängig von klassischen Suchmaschinen agiert, muss umdenken. Neue Recherchen von Oliver de Segonzac, Alexis Rylko und Tom Wells belegen, dass OpenAI für seine Produktempfehlungen (die sogenannten "Product Carousels") direkt auf die Daten von Google Shopping zugreift.

Der Grund ist nachvollziehbar: Es dürfte keine Plattform geben, die Live-Preise, Verfügbarkeiten und Bewertungen in diesem Umfang liefert – Datenpunkte, die für eine KI schwer in Echtzeit zu replizieren sind. Lediglich Amazon könnte Daten in ähnlicher Qualität liefern, blockiert aktuell aber die KI von OpenAI.

Der Blick unter die Haube: „Query Fan-Out“

Bisher war bekannt, dass ChatGPT sogenannte „Fan-Out Queries“ nutzt – also im Hintergrund Suchanfragen an Bing oder Google sendet, um kontextuelle Informationen für seine Antworten zu sammeln.

Das neue Experiment deckt jedoch einen zweigeteilten Prozess auf:

Für den Text: ChatGPT nutzt normale Suchanfragen, um den geschriebenen Teil der Antwort (z. B. Kaufratgeber oder Erklärungen) zu generieren.

Für die Produkte: Parallel dazu generiert ChatGPT spezifische, kodierte Suchanfragen für Google Shopping.

Die Recherche der Experten zeigt, dass diese Shopping-Ergebnisse direkten Einfluss auf die Produkte haben, die ChatGPT seinen Nutzern vorschlägt.

Das Experiment: 75% Übereinstimmung

Um diese These zu prüfen, führten de Segonzac, Rylko und Wells ein Experiment mit 100 verschiedenen Produktanfragen durch (z. B. „Beste günstige Android-Handys mit guter Kamera“). Über die Entwicklertools im Browser entschlüsselten sie die versteckten Hintergrundanfragen von ChatGPT.

Das Ergebnis:

In 75 % der Fälle befand sich das von ChatGPT am besten bewertete Produkt auch unter den Top 3 der Google Shopping-Ergebnisse. Händler, Produkttitel und Preisinformationen stimmten oft exakt überein.

Die im Hintergrund an Google gesendeten Suchbegriffe waren stark vereinfacht und auf Keywords optimiert (z. B. cheap+android+smartphones+good+camera+2025).

Was das für E-Commerce-Marken bedeutet

Die wichtigste Erkenntnis für Online-Händler ist simpel: Optimiere für Google Shopping.

E-Commerce Unternehmen sollten sich in erster Linie auf die Optimierung für Google Shopping konzentrieren. Produkte, die hier gut ranken, werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in den ChatGPT-Shopping-Empfehlungen enthalten sein

Da ChatGPT die Live-Daten (Preise, Verfügbarkeit) direkt von Google bezieht, ist ein aktueller und gut gepflegter Produkt-Feed bei Google derzeit der sicherste Weg, um auch in der KI-Suche sichtbar zu werden. Zwar versucht OpenAI durch Integrationen wie Etsy oder neue „Shopping Research“-Funktionen unabhängiger zu werden, doch die Dominanz und Datentiefe von Google bleibt vorerst unerreicht.

Fazit

Wir steuern auf eine Welt zu, in der Transaktionen direkt im Chat stattfinden („Agentic E-Commerce“). Doch solange KI-Modelle keine eigenen, vergleichbar mächtigen Echtzeit-Datenbanken für Produkte besitzen, bleibt Google Shopping der heimliche Gatekeeper für Ihre Sichtbarkeit in der KI-Welt.

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