Content-Marketing

Warum reine KI-Inhalte meistens nicht funktionieren

Das Wichtigste in Kürze
  • Ob ein Text von KI stammt, lässt sich nicht zuverlässig erkennen. Der Eindruck „klingt nach ChatGPT“ sagt aber etwas über die Wirkung: vertraut, austauschbar und wenig durchdacht.
  • Acht Muster machen Marketingtexte austauschbar, von unbegründeten Aussagen bis zu fehlenden Einzelheiten aus eigener Erfahrung.
  • KI macht sprachlich gutes Mittelmaß für fast jeden zugänglich. Wer sich für SEO und GEO abheben will, muss tiefer arbeiten: mit Kunden sprechen, Fachleute interviewen, eigene Daten auswerten.

Sie lesen einen Text und denken nach wenigen Sätzen: Das klingt nach ChatGPT.

Ob er tatsächlich von KI stammt, lässt sich daran nicht zuverlässig erkennen. Aber der Eindruck sagt etwas über die Wirkung aus: Der Text klingt vertraut, austauschbar und wenig durchdacht.

Die Grammatik stimmt. Die Gliederung auch. Trotzdem wissen Sie hinterher kaum mehr als vorher.

Bei Marketingtexten fallen mir besonders diese acht Muster auf:

1. Aussagen werden verstärkt, statt begründet

Eine Leistung spart Zeit. Zusätzlich steigert sie die Produktivität, verbessert die Kundenzufriedenheit und ermöglicht nachhaltiges Wachstum.

Das klingt nach vielen Vorteilen. Tatsächlich wurden mehrere Behauptungen aneinandergereiht.

Nehmen wir eine Software zur Rechnungsverarbeitung. Der Text könnte erklären:

„Die Software übernimmt Rechnungsdaten in die Buchhaltung. Mitarbeitende müssen Beträge und Rechnungsnummern nicht erneut eintippen.“

Jetzt lässt sich der Nutzen nachvollziehen. Wie relevant die Zeitersparnis ist, hängt vom Rechnungsvolumen und vom bisherigen Ablauf ab.

2. Gegensatzpaare sollen Bedeutung erzeugen

„Nicht nur effizient, sondern zukunftssicher.“

„Mehr als Beratung: Ihr Schlüssel zum Erfolg.“

„Kein Dienstleister, sondern ein strategischer Partner.“

Solche Sätze klingen wie eine Positionierung. Sie sagen wenig darüber aus, was ein Unternehmen tatsächlich leistet.

Eine Beratung könnte stattdessen erklären:

„Wir besprechen die Ergebnisse mit Ihrer Geschäftsführung, priorisieren die nächsten Schritte und begleiten die verantwortlichen Teams bei der Umsetzung.“

Damit entsteht ein Bild der Zusammenarbeit. Sie können beurteilen, ob dieses Vorgehen zu Ihrem Bedarf passt.

3. Probleme werden dramatisiert, bis die Lösung alternativlos erscheint

Eine veraltete Website gefährdet plötzlich die gesamte Wettbewerbsfähigkeit. Manuelle Abläufe führen zwangsläufig zum Kontrollverlust. Ohne die angebotene Lösung droht der Anschluss an den Markt verloren zu gehen.

Dabei wäre die interessante Frage: Wann entsteht tatsächlich ein Problem?

Eine kleine Website kann ihren Zweck erfüllen, wenn sie die wichtigsten Fragen beantwortet und Anfragen ermöglicht. Kritisch wird es beispielsweise, wenn Interessenten Leistungen nicht verstehen, Informationen auf dem Smartphone kaum lesen können oder ein Formular nicht funktioniert.

Das sind konkrete Ansatzpunkte. Sie helfen mehr als eine pauschale Warnung vor dem digitalen Abstieg.

4. Die Sprache ist abstrakt, der Inhalt bleibt dünn

„Wir schaffen nachhaltigen Mehrwert entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Welche Arbeit steckt dahinter?

Geht es darum, Lagerbestände abzugleichen? Freigaben zu beschleunigen? Liefertermine verlässlicher zu planen?

Ein konkreter Satz könnte lauten:

„Einkauf und Produktion arbeiten mit demselben Bestandsstand. Dadurch sehen beide Teams, welche Materialien fehlen und welche Bestellungen bereits laufen.“

Nach diesem Satz können Sie sich etwas vorstellen. Nach dem Mehrwert entlang der Wertschöpfungskette eher nicht.

5. Strategische Begriffe täuschen Genauigkeit vor

Skalierung. Transformation. Standardisierung. Strategische Bedeutung.

Diese Begriffe haben einen fachlichen Inhalt. Im Text werden sie aber häufig eingesetzt, ohne ihn zu erklären.

Wenn ein Unternehmen von Skalierung spricht, möchten Sie wissen: Was soll wachsen? Die Zahl der Kunden, Aufträge oder Standorte? Welche Abläufe müssen dafür verändert werden? Wo liegen die bisherigen Grenzen?

Bei Standardisierung interessiert Sie: Was wird vereinheitlicht und welche Ausnahmen bleiben notwendig?

Ohne solche Antworten klingen die Aussagen präziser, als sie tatsächlich sind.

6. Argumentation und Satzbau laufen immer gleich

Erst kommt die Herausforderung. Dann die angebotene Lösung. Zum Schluss ein allgemeiner Vorteil.

Absatz für Absatz.

Es fehlen Abwägungen, Ausnahmen und Grenzen. Gerade dort zeigt sich aber Fachwissen.

Bei einer Wärmepumpe gehören Wärmebedarf und erforderliche Vorlauftemperatur zur Beratung. Bei einer Marketingkampagne muss geklärt werden, ob das Angebot überzeugt und Anfragen bearbeitet werden können. Bei einer neuen Software spielen Datenqualität und Zuständigkeiten eine Rolle.

Ein hilfreicher Text erklärt solche Voraussetzungen. Er lässt erkennen, dass jemand mehr kennt als die Verkaufsargumente.

7. Pauschale Nutzenbeschreibungen ersetzen nachvollziehbare Veränderungen

„Mehr Effizienz.“

„Bessere Zusammenarbeit.“

„Höhere Kundenzufriedenheit.“

Was bedeutet das konkret?

Bei einer Hausverwaltung könnte weniger Aufwand bedeuten, dass Reparaturmeldungen direkt beim zuständigen Team ankommen. In einem Onlineshop könnte bessere Beratung bedeuten, dass Kunden vor der Bestellung erkennen, welches Zubehör kompatibel ist.

Dafür braucht es nicht immer eine große Kennzahl. Zuerst braucht es eine verständliche Beschreibung dessen, was sich verändert.

8. Es fehlen die Einzelheiten, die nur aus eigener Erfahrung stammen können

Eine Case Study berichtet von schnellerer Umsetzung, zufriedenen Mitarbeitenden und verbessertem Service.

Alles erwartbare Vorteile. Aber was war an diesem Projekt besonders?

Ein hypothetisches Beispiel: Bei einer Softwareeinführung zeigt sich, dass das größte Hindernis eine Freigabe ist, die jede Woche an derselben Person hängen bleibt. Erst eine Vertretungsregel macht den neuen Ablauf praktikabel.

So eine Beobachtung erzählt etwas über das Projekt. Sie zeigt, dass jemand hingesehen und verstanden hat, warum eine Veränderung funktioniert.

Solche Details dürfen natürlich nicht erfunden werden. Sie müssen aus Gesprächen, Dokumentation und tatsächlicher Erfahrung kommen.

Und genau deshalb wird gute Content-Arbeit für SEO und GEO aus meiner Sicht eher aufwendiger

Früher traf man bei Wettbewerbern häufig auf dünne, schlecht strukturierte oder unvollständige Inhalte. Wer sauber recherchierte, verständlich schrieb und die wichtigen Fragen beantwortete, konnte sich damit bereits deutlich abheben.

Heute liefert KI auf Knopfdruck ordentlich formulierte, ausführliche und übersichtlich gegliederte Texte. Sie macht ein sprachlich sehr gutes Mittelmaß für nahezu jeden zugänglich.

Damit steigt die Ausgangsqualität, mit der wir konkurrieren. Ein langer Ratgeber mit passenden Zwischenüberschriften und den üblichen Antworten ist immer seltener ein überzeugender Unterschied.

Wer darüber hinaus etwas bieten will, muss tiefer arbeiten:

Mit Kunden sprechen. Fachleute interviewen. Eigene Daten auswerten. Produkte und Verfahren vergleichen. Konkrete Fälle dokumentieren. Widersprüche auflösen und Grenzen erklären.

Ein allgemeiner Kaufratgeber ist schnell erstellt. Herauszufinden, welche Fragen Kunden vor einer Fehlentscheidung tatsächlich stellen sollten, braucht Erfahrung und Recherche.

KI verkürzt die Zeit bis zum ersten Entwurf. Der Aufwand, einen deutlichen Informationsvorsprung zu schaffen, kann trotzdem steigen.

Für SEO und GEO heißt das: Wir müssen genauer begründen können, warum gerade unsere Seite einen Besuch oder einen Quellenverweis verdient. Eine Garantie für Sichtbarkeit entsteht daraus nicht. Aber ein austauschbarer Text liefert dafür wenig Anlass.

Der entscheidende Teil der Arbeit beginnt deshalb oft dort, wo der KI-Entwurf aufhört

Welche Information fehlt? Welche Aussage hält einer Prüfung stand? Was wissen unsere Fachleute, das im allgemeinen Ratgeber noch nicht steht?

Sie müssen die Urheberschaft eines Textes nicht erkennen, um zu merken, dass Ihre Fragen unbeantwortet bleiben.

Genau daran sollten wir unsere Inhalte messen.

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Julia Bühler · Solution Manager

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