Online-Werbung gehört zu den effektivsten Methoden, um Kunden gezielt zu erreichen. Doch wer sein Budget plant, steht oft vor der klassischen Frage: Setze ich alles auf den Marktführer Google oder lohnt sich der Blick auf den Herausforderer Microsoft Advertising (ehemals Bing Ads)?
Die kurze Antwort: Es ist kein "Entweder-oder". Es ist eine Frage der Strategie.
Während Google mit schierer Masse und extrem intelligenter Automatisierung (Stichwort: Performance Max) besticht, hat sich Microsoft Advertising zu einer Geheimwaffe im B2B-Sektor entwickelt – mit Features, von denen Google-Nutzer nur träumen können.
Überblick: Die Giganten im Profil
Google Ads: Der Allrounder
Google Ads ist das Synonym für Suchmaschinenwerbung (SEA). Wenn jemand "googelt", hat er meist eine klare Kauf- oder Handlungsabsicht. Das macht Google Ads so mächtig. Doch Google ist längst mehr als nur die Suche.
- Das Ökosystem: Google Suche, YouTube, Google Maps, Gmail, Google Play und das riesige Display-Netzwerk (Millionen von Partnerseiten).
- Der Fokus: Maximale Automatisierung. Mit Kampagnentypen wie Performance Max nimmt Google dem Werbetreibenden viel manuelle Arbeit ab und optimiert Gebote in Echtzeit über alle Kanäle hinweg.
Microsoft Advertising: Der unterschätzte B2B-Profi
Microsoft Advertising (früher Bing Ads) fristete lange ein Nischendasein. Das hat sich geändert. Durch die Integration von KI (Copilot) und die Übernahme von LinkedIn hat sich die Plattform neu erfunden.
- Das Ökosystem: Microsoft Search Network (Bing), Yahoo, AOL. Dazu kommen exklusive Partnerschaften mit Suchmaschinen wie DuckDuckGo und Ecosia, die besonders datenschutzbewusste oder ökologisch orientierte Nutzer ansprechen.
- Der Fokus: Desktop-User, B2B-Entscheider und eine nahtlose Integration in die Microsoft-Arbeitswelt (Windows, Edge, Outlook).
Reichweite & Marktanteile: Masse vs. Klasse?
Hier herrschen oft Missverständnisse. Schauen wir uns die aktuellen Fakten an.
Google Ads: Die absolute Dominanz
Mit einem globalen Marktanteil von über 90 % bei der mobilen Suche ist Google unangefochten. Wenn du ein Produkt hast, das die breite Masse (B2C) auf dem Smartphone sucht – zum Beispiel Mode, lokale Dienstleistungen oder Gadgets – kommst du an Google nicht vorbei.
- Vorteil: Du erreichst fast jeden Internetnutzer.
- Nachteil: Wo alle sind, ist auch die Konkurrenz. Der Wettbewerb um die besten Plätze ist brutal.
Microsoft Advertising: Die Desktop-Nische
Global gesehen wirkt der Marktanteil von Bing klein. Aber: Wenn wir auf den Desktop-Markt (Laptops und PCs) in westlichen Industrieländern schauen, sieht die Welt anders aus. In den USA liegt der Marktanteil am Desktop teils über 20-30 %, und auch in der DACH-Region ist er signifikant.
Warum ist das wichtig? In vielen Firmenbüros stehen Windows-Rechner. Als Standardsuchmaschine im Edge-Browser ist Bing voreingestellt. Viele Mitarbeiter ändern dies nicht. Das bedeutet:
Microsoft Advertising erreicht Menschen, während sie arbeiten.
Wer B2B-Software, Büromöbel, Beratungsdienstleistungen oder Industrieanlagen verkauft, findet hier seine Zielgruppe im "Business-Mindset", nicht beim privaten Surfen auf der Couch.
Zielgruppen-Deep-Dive: Wer nutzt eigentlich Bing?
Die Demografie der Nutzer unterscheidet sich stärker, als viele vermuten.
Der typische Google-Nutzer:
- Ist "Jeder". Vom Schüler bis zum Rentner.
- Nutzt vorwiegend mobile Endgeräte.
- Suchintention ist oft schnelllebig ("Micro-Moments").
Der typische Microsoft-Nutzer (Bing/Yahoo/AOL):
- Alter: Durchschnittlich älter (oft 35+).
- Einkommen: Statistiken zeigen oft ein höheres verfügbares Haushaltseinkommen im Vergleich zum Durchschnitts-User.
- Bildung: Überdurchschnittlich hoher Bildungsgrad.
- Gerät: Primär Desktop-Nutzung.
UnitedAds Analyse: Für Luxusgüter, Finanzprodukte oder eben B2B-Angebote ist die Microsoft-Zielgruppe oft qualitativ hochwertiger ("High Intent"), auch wenn das Volumen geringer ist.
Kosten und Budget: Wo bekommst du mehr für dein Geld?
Google Ads: Das Auktionshaus
Da fast jedes Unternehmen auf Google wirbt, treibt das Auktionsverfahren die Klickpreise (CPC) in die Höhe. In kompetitiven Branchen (z.B. Versicherungen, Recht) können Klicks schnell zweistellige Euro-Beträge kosten.
- Budget-Steuerung: Du kannst Tageslimits setzen, aber um konkurrenzfähig zu bleiben, musst du bereit sein, Marktpreise zu zahlen.
Microsoft Advertising: Der Schnäppchenjäger
Weniger Wettbewerber bedeuten niedrigere Gebote.
- Der Preis-Vorteil: In vielen Branchen liegen die CPCs bei Microsoft Advertising 30 % bis 60 % unter denen von Google Ads.
- Die Konsequenz: Du erhältst für das gleiche Budget oft mehr Klicks. Allerdings ist das Suchvolumen begrenzt. Du kannst dein Budget hier oft gar nicht "ausgeben", weil schlichtweg nicht genug Leute suchen.
Pro-Tipp: Nutze Microsoft Advertising als "Effizienz-Booster". Sammle die günstigen Conversions dort ein und nutze Google für die Skalierung.
Anzeigenformate & KI: Performance Max vs. Multimedia
Beide Plattformen haben sich von reinen Textanzeigen wegentwickelt.
Google setzt auf "Performance Max" (PMax): Hierbei erstellst du keine einzelnen Anzeigen mehr für Suche oder Display. Du gibst Google Assets (Bilder, Videos, Texte, Logos) und ein Ziel (z.B. "Leads generieren"). Die KI mischt diese Assets automatisch zusammen und spielt sie dort aus, wo die Wahrscheinlichkeit für eine Conversion am höchsten ist – sei es auf YouTube, in Gmail oder in der Suche.
- Vorteil: Enorme Reichweite, wenig manueller Aufwand.
- Nachteil: "Black Box" – man sieht wenig Details darüber, wo genau die Anzeige lief.
Microsoft Advertising & Copilot
Microsoft bietet ähnliche Formate, punktet aber mit Multimedia Ads. Diese visuellen Anzeigen werden prominent in der Sidebar oder im Mainline-Bereich angezeigt und nutzen KI, um Bilder aus deiner Website zu extrahieren. Zudem verändert der Copilot (die KI in der Bing-Suche) das Spiel: Werbeanzeigen werden jetzt auch innerhalb der Chat-Antworten der KI integriert. Das ist ein völlig neues Format der Interaktion, bei dem Google (mit AI Overviews) gerade erst nachzieht.
Das Killer-Feature: LinkedIn-Targeting bei Microsoft
Dies ist der Punkt, an dem Microsoft Advertising für B2B-Unternehmen unschlagbar wird. Da Microsoft Eigentümer von LinkedIn ist, stehen diese Daten für das Targeting zur Verfügung.
Bei Google kannst du nach "Interessen" oder groben demografischen Merkmalen filtern. Bei Microsoft kannst du Anzeigen schalten basierend auf:
- Unternehmen: (z.B. "Mitarbeiter von Siemens oder BMW")
- Branche: (z.B. "Gesundheitswesen" oder "Maschinenbau")
- Jobfunktion: (z.B. "Einkauf", "Marketing", "HR")
- Karrierestufe: (z.B. "Senior", "Manager", "Geschäftsführer")
Beispiel: Du verkaufst eine teure HR-Software? Bei Microsoft kannst du sicherstellen, dass deine Anzeige nur Personen angezeigt wird, die im HR-Bereich arbeiten und eine Entscheidungsposition innehaben. Bei Google müsstest du hoffen, dass die Suchanfrage "HR Software kaufen" nicht von einem Praktikanten kommt.
Benutzerfreundlichkeit & Import-Funktion
Viele Marketing-Manager scheuen Microsoft Advertising, weil sie "nicht noch ein Tool lernen" wollen. Microsoft kennt dieses Problem und hat es brillant gelöst.
Der Google Import
Du musst keine Kampagnen bei Microsoft neu bauen. Mit dem Import-Tool kannst du deine kompletten Google Ads Kampagnen (Keywords, Anzeigen, Gebote) mit wenigen Klicks zu Microsoft spiegeln. Du kannst sogar einen automatischen Zeitplan einrichten, sodass Änderungen bei Google (z.B. neue Anzeigen) jede Nacht automatisch zu Microsoft übertragen werden.
Das Interface
Die Oberfläche von Microsoft Advertising ist der von Google Ads extrem ähnlich nachempfunden. Wer sich in Google zurechtfindet, braucht für Microsoft keine 5 Minuten Einarbeitung.
Entscheidungshilfe: Wann welche Plattform?
Damit du nicht raten musst, hier eine klare Matrix für deine Strategie.
Google Ads ist deine Priorität, wenn:
- Du B2C-Produkte verkaufst: Mode, Food, Lifestyle – hier spielt die Musik.
- Du maximales Volumen brauchst: Du willst wachsen und dein Budget ist groß genug.
- Local SEO wichtig ist: Google Maps Anzeigen sind für lokale Geschäfte (Restaurants, Friseure) unschlagbar.
- Mobile First: Deine Zielgruppe lebt auf dem Smartphone.
Microsoft Advertising ist ein Muss, wenn:
- Du im B2B-Bereich tätig bist: Die LinkedIn-Daten sind Gold wert.
- Du Entscheidungsträger am Arbeitsplatz suchst: Desktop-Traffic im Büro.
- Dein Budget begrenzt ist: Hier bekommst du oft günstigere Klicks (CPCs).
- Du eine Nische bedienst: In Nischenmärkten ist der Wettbewerb auf Bing oft gleich Null.
Fazit: Google Ads oder Microsoft Advertising?
Die Frage "Google oder Microsoft?" ist falsch gestellt. In einer professionellen Onlinemarketing-Strategie lautet die Antwort fast immer: Beide.
Google Ads ist dein Motor für Wachstum und Reichweite. Hier holst du die Masse ab.
Microsoft Advertising ist dein Effizienz-Hebel. Hier holst du oft die günstigeren Conversions und die wertvolleren B2B-Leads.
Unsere Empfehlung bei UnitedAds: Starte mit Google Ads, um Daten zu sammeln und eine Basis aufzubauen. Sobald deine Kampagnen dort profitabel laufen, importiere sie zu Microsoft Advertising. Nutze dort das gesparte Budget durch günstigere Klickpreise, um deine Gesamtkosten pro Akquisition (CPA) zu senken.
Lass kein Potenzial auf der Straße liegen, nur weil Bing in den Medien weniger präsent ist. Deine Kunden sind dort – und deine Konkurrenz vielleicht noch nicht.
Was du jetzt tun kannst:
Hast du deine Google Kampagnen schon einmal auf Microsoft gespiegelt? Wenn nein, ist das dein To-Do für diese Woche. Logge dich bei Microsoft Advertising ein, nutze die Funktion "Import aus Google Ads" und teste es mit einem kleinen Budget. Du wirst überrascht sein, wie einfach zusätzliche Reichweite sein kann.